Pfarrei St. Margaret Markt Schwaben

Zinngießergasse 37, 85570 Markt Schwaben
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08121/223081

Bürgle-Schmid-Orgel in St. Margaret Markt Schwaben

Die fertig aufgebaute Orgel kurz vor ihrer Wiedereinweihung im Juli 2017
I HauptwerkII PositivIII SchwellwerkPedal
 
 
Bordun 16'
Prinzipal 8'
Gedeckt 8' [1]
Soloflöte 8'
Gambe 8'
Oktav 4'
Spitzflöte 4'
Quint 2 2/3'
Oktav 2'
Mixtur major 5f 2'
Mixtur minor 3f 1 1/3'
Trompete 8'
Clairon 4'
Tremulant
Gedeckt 16' [1]
Bordun 8' [1]
Grobgedackt 8'
Prinzipal 4'
Querflöte 4'
Nasat 2 2/3'
Prinzipal 2'
Terz 1 3/5'
Spitzquint 1 1/3'
Cymbel 3f 1'
Dulcian 8'
Tremulant
Gedeckt 16' [1]
Bordun 8' [1]
Lieblich Gedackt 8'
Salizional 8'
Vox coelestis 8'
Praestant 4'
Rohrflöte 4'
Sesquialter 2 2/3' + 1 3/5 '
Blockflöte 2'
Larigot 1 1/3'
Progressio 2-5f 2 2/3'
Trompete 8'
Oboe 8'
Tremulant
Groß Bordun 32' [2]
Prinzipalbaß 16' [3]
Contrabaß 16'
Subbaß 16'
Zartbaß 16' [1]
Große Quint 10 2/3'
Oktavbaß 8'
Violoncello 8' [4]
Gedecktbaß 8' [1]
Choralbaß 4' [5]
Gedecktflöte 4' [1]
Posaune 16'
Trompete 8'
Koppeln: I – Ped., II – Ped., III – Ped., II – I, III – I, III – II
Sub-/Superkoppeln: I16 – I, I4 – I, III16 – I, III4 – I, III16 – III, III4 – III, III4 – Ped.

[1] Transmission von Bordun 16' Hauptwerk
[2] C-H Quintabgriff Subbaß, ab c0 in C von Subbaß
[3] 6 Haskellpfeifen C-F, 6 Pfeifen in voller Länge FIS-H, dann in C von Oktavbaß 8'
[4] Extension von Contrabaß 16'
[5] Extension von Oktavbaß 8'
Der neue Spieltisch kurz vor seiner Fertigstellung

Chronik

1723

Die wohl erste Orgel der Kirche stammte aus dem Jahr 1723 und wurde wahrscheinlich von dem Dachauer Orgelbauer Quirin Weber erstellt. Das Gehäuse ist erhalten und steht jetzt in Kirchberg bei Wartenberg, Landkreis Erding. Die Orgel war wohl bis 1872 in Gebrauch.

1873

Die Pfarrchronik berichtet von einem Neubau einer Orgel um 1873/74 durch Gebr. Frosch oder Ludwig Frosch.

Schon im Jahr 1921 war die Orgel jedoch weitgehend unbrauchbar. Die Chronik enthält aus der Hand des damaligen Pfarrers Wolfgang Sturm folgenden Eintrag: "Im Jahr 1921 ergab sich die dringende Notwendigkeit, die Orgel, die immer bald oben, bald unten im Baß, mitbrummte mit den gespielten Tönen, gründlich zu richten..."

1928

Wegen der nicht mehr zu beseitigenden Mängel der alten Frosch-Orgel entschloss sich die Kirchenverwaltung 1928 zu einem Neubau, mit dem die Firma Schmid-Schuster in München betraut wurde. Es entstand eine zweimanualige Orgel im romantischen Stil mit Schwellwerk für das II. Manual sowie Registerschweller und den gebräuchlichsten Spielhilfen. Von der alten Orgel wurde fast nichts wiederverwendet. Auch das Pfeifenmaterial war so schlecht, dass nur Teile von 3 Registern in die neue Orgel übernommen wurden, darunter die tiefen Pfeifen des Prinzipal 8' und Teile der Mixtur 2'.

Mit dieser Orgel wurde der Grundstein gelegt für die heutige Orgel in St. Margaret. 15 der damaligen Register sind noch vorhanden und erklingen auch heute noch.

1945

Ambrosius Bürgle, seit 1924 Lehrer in Markt Schwaben und ebenso Organist, betrieb bald nach Ende des Zweiten Weltkrieges die Erweiterung der Orgel auf drei Manuale. Er hatte das Glück, sich dabei auf den sachverständigen Rat von Prof. Gustav Schoedel stützen zu können. Dieser entwarf eine Disposition, die ohne wesentlichen Eingriff in den vorhandenen Bestand durch Hinzufügen von 14 Registern der Orgel vielseitige Verwendungsmöglichkeiten erschließen konnte. Diese Disposition war die Basis für die Erweiterung der Orgel in den folgenden Jahrzehnten.

Vorgesehen war:
  • Neubau eines Rückpositivs. Es sollte folgende Register aufweisen: Grobgedackt 8', Quintaden 4', Gemshörnlein 2', Nachthorn 1', Rauschquinte 2 ⅔' 4f, Krummhorn 8', Regal 4'
  • Ergänzung von Manual I durch Dolce 8', Oktav 2'
  • Ersetzung der Mixtur 2' durch die bestehende Echomixtur 2 ⅔' des II. Manuals, ergänzt um einen 5. Chor
  • Ersetzung der Echomixtur 2 ⅔' durch Scharff 1' 4f
  • Verselbstständigung des Pedals mit Oktav 4', Oktav 2', Mixtur, Trompete 8', Sordun 32'
Trotz Materialmangels und schwieriger Finanzierung konnte schon im Spätherbst 1945 der Münchener Firma Schuster Orgelbau (Nachfolger von Schmid-Schuster) der Auftrag erteilt werden, den Spieltisch und die Windladen sowie das Holzregister Grobgedackt 8' zu erstellen. Mit leichter Verzögerung wurde im April 1947 das neue Register angeliefert. Der Aufbau des Rückpositivs wurde unter kuriosen Umständen in letzter Minute verhindert.

1950

Die Fertigstellung des 1945 beauftragen dreimanualigen Spieltisches verzögerte sich mehrfach, es kam zu finanziellen Nachforderungen und einigen Auseinandersetzungen. Erst 1950 konnten der neue Spieltisch und die neuen Windladen eingebaut werden, außerdem wurde endlich das Register Grobgedackt 8' als einziges bisher vorhandenes Register in das neue Oberwerk eingebaut (anstatt des ursprünglich vorgesehenen Rückpositivs). 1951 hatte der Kirchenchor durch weitere Konzerte ausreichend Gelder gesammelt, um die geplanten Register Gemshörnlein 2' und Nachthorn 1' für das Oberwerk anzuschaffen.

1966

Nach längerem baulichen Stillstand machte sich Ambrosius Bürgle ab 1962 erneut auf den Weg, Spenden für einen weiteren Ausbau der Orgel zu sammeln. Vater Ambrosius und sein Sohn Dr. Helmut Bürgle konnten so ab 1963 bis 1966 unter anderem das Oberwerk auf sieben Register erweitern lassen, außerdem wurde die Posaune 16' im Pedal umgearbeitet, da diese 1928 viel zu laut geraten war.

1977

Die Freude über die Fertigstellung der Orgelerweiterung währte nicht lange. Nach dem Einbau einer Luftumwälzheizung in die Kirche litt die Orgel in der Heizperiode massiv, da das Holz schnell austrocknete und sich Risse bildeten. Es half nicht einmal, dass auf der Orgelempore kübelweise Wasser ausgegossen wurde; die unter der Decke aufgestaute Hitze von 30-35°C ließ das Wasser verdunsten, ohne dass es vom Holz aufgenommen werden konnte.

Unabhängig davon stellte man später fest, dass sich jeweils die höchste Pfeife von Posaune 16' und Prinzipal 8' nicht mehr aus ihrer Windlade heben ließ, da der Stuck bis in die Pfeifen hineinragte. Man erkannte, dass sich das Gewölbe der Kirche erheblich gesenkt hatte und massive Einsturzgefahr bestand. Die Südwand der Kirche hatte sich um bis zu 17 cm im Vergleich zur Nordwand gesenkt. Die Kirche wurde daher ab Mitte der siebziger Jahre aufwändig saniert.

Wie wir heute wissen, geschah dies nicht aller Orten mit der nötigen Gewissenhaftigkeit. Die Orgel litt wegen unsachgemäßer Auslagerung und suboptimalem Wiederaufbau. Da die diözesane Bauleitung dafür mitverantwortlich war, konnte ausnahmsweise ein größerer Betrag von München für die nötigen Reparaturen ausgehandelt werden. Zusammen mit einem pfarreigenen Zuschuss wurde die Orgel wiederhergestellt. Dr. Helmut Bürgle erarbeitete hierfür mit dem Orgelbaumeister Karl Schuster ein Konzept. Etwas umgestellt und vergrößert konnte daraufhin die Orgel im Oktober 1977 in nochmals verbesserter Form ihren Dienst antreten – jetzt mit einem deutlich neobarocken Einschlag.

2017

In den fast 40 Jahren seit 1977 wurden lediglich eine Generalreinigung und kleinere Reparaturen erledigt. Mit dem Bau einer beweglichen Truhenorgel für das Kirchenschiff bekam die große Orgel im Jahr 2002 eine kleine Schwester.

Der Aufbau der Orgel von 1977 war im Rahmen der Möglichkeiten gelungen, offenbarte jedoch zunehmend Schwächen. Bei einem Gutachten durch den Orgelsachverständigen Prof. Karl Maureen kam heraus, "dass diese Orgel zum größten Teil recht schön klingt", jedoch mit einigen Einschränkungen, zum Beispiel: "Mixturen klirren ganz entsetzlich", "neobarocke Komponenten stechen nicht gerade angenehm heraus", "zögerliche Ansprache mancher Register". Zunehmende Ausfallerscheinungen mahnten zu einer grundlegenden Erneuerung der überalterten technischen Anlage, außerdem waren etliche Register kaum noch nutzbar.

Deshalb beschloss die Kirchenverwaltung eine große Sanierung, um die Orgel nicht nur einfach zu reparieren, sondern das, "was in ihr steckt" zu optimieren und so nach fast 90 Jahren dieses Instrument zu vollenden. Ab 2014 machte sich daher der eigens gegründete „Aktivkreis Orgel“ auf Spendensuche. Der für die Grundsanierung erforderliche Betrag war schnell zusammen, vor allem auch dank der Großzügigkeit eines einzelnen Gönners. Deshalb konnte das ausgereifteste und kompromissloseste Konzept ausgewählt werden, also wirklich „Nägel mit Köpfen“ gemacht werden. Der Auftrag wurde der Firma Siegfried Schmid aus Knottenried bei Immenstadt erteilt. 2016 wurde schließlich die alte Orgel im Rahmen der ohnehin geplanten Kirchensanierung abgebaut.

An der Orgel wurden u.a. folgende Verbesserungen vorgenommen:
  • Die Technik der Orgel wurde von Grund auf erneuert.
  • Es wurde ein neuer Spieltisch mit moderner Setzeranlage errichtet. Der Spieltisch wurde vom Gehäuse der Orgel getrennt und an die Brüstung der Empore versetzt, um dem Organisten die gleichzeitige Chorleitung zu erleichtern.
  • Ein neuer Schwellkasten sorgt für eine deutlich bessere Schwellwirkung.
  • Wo möglich und sinnvoll, wurde Pfeifenmaterial aus der alten Orgel wiederverwendet, darunter 15 Register der ursprünglichen Orgel von 1928. Einige Register kamen neu hinzu oder wurden erweitert. Die Disposition wurde mit Absicht etwas großzügiger ausgelegt, um der sehr trockenen Akkustik der Kirche sowie dem suboptimalen Aufstellungsort der Orgel entgegenzuwirken.
Die Weihe der generalüberholten Orgel wurde am Samstag, den 15.07.2017, von Weihbischof Dr. Bernhard Haßlberger vorgenommen. Sie finden die jetzige Disposition oben auf dieser Seite.