Fünf Jahre nach ihrem Start in der Coronakrise sind die regelmäßigen Gottesdienstübertragungen aus dem Münchner Liebfrauendom eine Erfolgsgeschichte: Sie haben hohe Reichweiten und werden für ihre hervorragende technische und inhaltliche Qualität geschätzt. Eine Evaluation des Zentrums für angewandte Pastoralforschung (zap) an der Ruhr-Universität Bochum bezeichnet die Livestreams als „in seiner Qualität außerordentliches und in Zahlen erfolgreiches Angebot“, das „eine wichtige Rolle im Gottesdienstangebot der Erzdiözese“ einnehme. Zum fünften Jahrestag des Beginns der regelmäßigen Übertragungen feiert Dompfarrer Monsignore Klaus Peter Franzl einen Gottesdienst am
Freitag, 14. März, um 18 Uhr, der unter
www.erzbistum-muenchen.de/stream übertragen wird. Dabei wird er auch eine eigens produzierte Jubiläumskerze vorstellen.
Für die Evaluation des zap wurden rund 600 Personen online befragt, die regelmäßig per Livestream Gottesdienste im Münchner Liebfrauendom mitfeiern. 93 Prozent von ihnen waren mit den Online-Gottesdiensten „sehr zufrieden“ oder „zufrieden“, 98 Prozent wollen, dass das Angebot beibehalten wird. „Das Streaming-Projekt des Münchener Doms ist für mich ein Leuchtturmprojekt“, sagt Matthias Sellmann, Direktor des zap und Professor für Pastoraltheologie. „Es zeigt, was digital an Seelsorge auch im Kernbereich der Liturgie möglich ist, wenn gute Inhalte und gutes Handwerk zusammenkommen. Es zeigt auch, welche Stärke im Alltag ein Werktagsgottesdienst haben kann. Man sieht, dass es klare und sehr präzise identifizierbare Zielgruppen von Seelsorge gibt, die man ebenso klar und präzise ansprechen kann.“
Als Motivation für die Nutzung der Livestreams nannten die Nutzerinnen und Nutzer an erster Stelle die Qualität der Inhalte und der Gestaltung. So sagten 55 Prozent, dass sie aus den Predigten etwas für sich mitnähmen, und 54 Prozent, dass sie im Online-Gottesdienst hohe Qualität erlebten. Ein weiterer Grund ist die Flexibilität: 36 Prozent sagten, dass die Online-Gottesdienste besser in ihren Alltag passten als Präsenzgottesdienste. Viele Menschen nutzen die Livestreams auch aus persönlichen und familiären Gründen, beispielsweise weil sie selbst (21 Prozent) oder Angehörige (9 Prozent) gesundheitliche Einschränkungen haben oder weil sie nicht mobil sind (7 Prozent). Generell werden die Übertragungen nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung und Alternative zu Präsenzgottesdiensten gesehen. Die Mitfeier im Livestream ist meist eine selbstständige, vom Alltag abgehobene Praxis: 81 Prozent machen nichts anderes, wenn sie den Livestream schauen, 64 Prozent versuchen, einen ablenkungsfreien Raum zu schaffen, 32 Prozent haben sogar ein eigenes Ritual wie das Anzünden einer Kerze. Eine Mehrheit von 88 Prozent verfolgt den Livestream bis zum Ende des Gottesdienstes.
Die Evaluation ergab auch, dass 45 Prozent der Mitfeiernden aus dem Regierungsbezirk Oberbayern zusehen, der weitgehend deckungsgleich mit dem Erzbistum München und Freising ist. Zwei Drittel der Befragten leben in Bayern, etwa ein Viertel in den weiteren Bundesländern, sieben Prozent der Befragten kommen aus dem Ausland. Die Livestreams erreichen damit einerseits schwerpunktmäßig die Mitglieder der Erzdiözese, sind andererseits aber auch weit über ihre Grenzen hinaus relevant. Die Befragten sind im Schnitt 63 Jahre alt und überwiegend sehr religiös und stark kirchengebunden.
Seit dem 15. März 2020, als wegen der Coronapandemie keine Präsenzgottesdienste stattfinden konnten, wird nahezu täglich ein Gottesdienst aus dem Münchner Liebfrauendom unter
www.erzbistum-muenchen.de/stream übertragen. Aktuell finden die Livestreams montags bis freitags um 18 Uhr sowie sonn- und feiertags um 10 Uhr statt. Während der Coronapandemie erhielten einzelne Gottesdienste Reichweiten von bis zu 50.000. Auch nach dem Ende der Schutzmaßnahmen blieben die Reichweiten insgesamt konstant und liegen aktuell bei rund 6.000 an Sonn- und Feiertagen sowie 4.000 an Wochentagen. Die Übertragungen werden im Münchner Liebfrauendom mit hohem Aufwand produziert und über die Websites der Erzdiözese und des Doms, über Youtube und Facebook sowie über das Münchner Kirchenradio übertragen. Seit kurzem sind sie auch über das christlich geprägte Streamingportal Yesflix zu sehen. An Sonn- und Feiertagen werden die Übertragungen in Gebärdensprache übertragen und stellen so auch ein wichtiges Angebot für gehörlose und schwerhörige Menschen dar. (bs)